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Ein Abend mit Oldřich Hamera und dem Geist Bohumil Hrabals

12.5.2014 - Eröffnung der Ausstellung „Die Grafiken Oldřich Hameras durch die Augen Bohumil Hrabals“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hrabal inspirierend und inspieriert“, organisiert vom Tschechischen Zentrum München, um den 100. Geburtstag Bohumil Hrabals zu feiern.

Am lauwarmen Abend des 6. Mai 2014 lud das Tschechische Zentrum München zur Vernissage seiner neuen Ausstellung ein.  Anwesend waren sowohl der Grafiker Oldřich Hamera und der Galerist Walter Storms, wie auch die Kunsthistorikerin und Ausstellungskuratorin Eva Čapková.  

Doch Eva Čapková befand sich in einer etwas seltsamen Position, denn sie musste ihre Rolle als Kuratorin mit einem anderen teilen, der zwar nicht leibhaftig dabei war, aber dessen Geist stets hervortrat.  Die ausgestellten Grafiken wurden nämlich bereits 1975 halboffiziell im Prager Geologischen Institut gezeigt, und die Auswahl reflektiert den persönlichen Geschmack eines engen Bekannten Hameras, des verstorbenen Schriftstellers Bohumil Hrabal.  Er war es, der die Werke für die Ausstellung aussuchte und sie dann in einer meisterhaften Laudatio Pocta Barrandovi (dt.: Ehre Barrandov) dem 300-köpfigen Publikum präsentierte.  

Dieses Mal verlief die Eröffnung ein bisschen anders.  Nach einem Begrüßungswort von Ondřej Černý, Direktor des Tschechischen Zentrums, machte Eva Čapková den Auftakt zum Abend mit einem Kurzvortrag über die künstlerischen Verbindungen zwischen Hrabal und Hamera.  Sie führte die Gäste in das Leben und die Werke der beiden Künstler, zweier Größen der tschechischen Kultur in der Nachkriegszeit, ein und ließ vor allem ihren gegenseitigen Einfluss aufeinander deutlich werden.  

Allerdings nahm die Vernissage einen eher gesprächigen Ton an, als O. Hamera das Wort bekam.  Mit schwarzem Humor und einer Energie, die über die Tatsache hinwegtäuschte, dass der 70-jährige Grafiker sich vor kurzem einer Lebertransplantation unterziehen musste, erzählte er Geschichten von sich selbst und von Hrabal – Geschichten, wie Ondřej Černý es später auf den Punkt brachte, über das Leben und das Überleben.  Immer wieder scherzte er mit seiner Dolmetscherin Zuzana Jürgens, der früheren Direktorin des Tschechischen Zentrums, und das Publikum hing förmlich an seinen Lippen.  Man kam nicht umhin sich zu fragen, ob nicht vielleicht auch Hamera zu den pabitelé (dt. nach der Übersetzung von Peter Künzel: Bafler) gehört, zu jenen unvergesslichsten der Hrabal'schen Figuren mit den besonders flotten Mundwerken.

Neben der musikalischer Untermalung durch die Flötistin Kateřina Stegman wurde der Abend ebenfalls durch einen Beitrag von Walter Storms bereichert.  Der Münchner Galerist präsentierte einige Werke Hameras aus seiner persönlichen Sammlung und erzählte schwungvoll von seinen Fahrten nach Prag in den 60er und 70er Jahren.  Er sprach von schillernden Begegnungen mit Hrabal und Hamera, von den Unmengen an Alkohol, die ihr Künstlerkreis getrunken haben soll und erklärte, wie er sich selbst an dem Kampf gegen die tschechoslowakische Zensur beteiligte und Bücher von im Exil lebenden Schriftstellern über die Grenze schmuggelte. 

Als Hrabal die Ausstellung 1975 eröffnete, übten die damaligen Machthaber eine derart strenge Kontrolle über potentiell subversive Kunst aus, dass Besucher die Monotypen Hameras nur unter Vorlage des Personalausweises und nach Registrierung besichtigen durften.  Nicht so im Tschechischen Zentrum.  Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. Mai 2014 und der Eintritt ist frei.  Jeder, der sich in der Nähe von der Prinzregentenstraße befindet, ist herzlich eingeladen, vorbeizuschauen.

Autorin: Frances Jackson 

Veranstaltungsort:                        Öffnungszeiten:                                        

Prinzregentenstr. 7                          Mo –  Mi, Fr               10 – 17 Uhr  
805 38 München                              Do                              10 – 19 Uhr
Deutschland                                    Sa, So                         nach Absprache