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Übersetzerwelten | Übersetzte Welten: Barbara Heller

Begleitend zur April-Ausgabe unseres neuen Online-Lesekreises haben wir der Übersetzerin Barbara Heller ein paar Fragen zu Jaroslav Kalfařs „The Spaceman of Bohemia“ gestellt. Das Buch hat sie 2017 unter dem Titel „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ ins Deutsche übertragen.

 

Wie kam es dazu, dass Sie dieses Buch übersetzt haben?

Der Klett-Cotta-Verlag hat bei mir angefragt, ob ich Zeit und Lust hätte, das Buch zu übersetzen, und beides hatte ich.

Kannten Sie sich in der tschechischen Geschichte und Kultur bereits aus oder war das Ihre erste große Begegnung mit dem Nachbarland?

Nein, ich kannte mich nicht aus, ich war nur vor langer Zeit einmal in Prag.

Wo spürten Sie als Übersetzerin mehr Recherchebedarf – bei den Szenen im All oder in einer der anderen Handlungsstränge, z. B. wo es um die kommunistische Vergangenheit Tschechiens geht?

Eindeutig bei den Szenen im All, an denen ich manchmal schier verzweifelt bin. Das Internet und die Stapel aus der Stadtbücherei haben mir in Sachen Raumfahrt nur begrenzt weitergeholfen. Schließlich kam ich auf Umwegen in Kontakt zu dem ehemaligen deutschen Astronauten Hans Schlegel, der mir viele Fragen sehr freundlich beantwortet hat, aber über nebenan.de vor allem mit einem an Raumfahrt interessierten Physiker, dem ich täglich meine Fragen schicken konnte, die er immer prompt und mit unendlicher Geduld beantwortet hat. Ich bin ihm ewig dankbar! Über die Vergangeheit Tschechiens hat mich das Internet ausreichend informiert, die anderen Handlungsstränge waren oft Erholung vom Recherchestress.

Der Titel der deutschen Ausgabe ist etwas anders als im Original. War das bloß eine Entscheidung des Verlags oder auch Ihre Empfehlung? Was sprach gegen eine wortwörtliche Übersetzung des Titels?

Über den Titel entscheidet allein der Verlag; manchmal werde ich um Vorschläge gebeten. Ich finde den deutschen Titel sehr gelungen.

In den Buchhandlungen Prags findet man Veronika Volhejnovás Übersetzung des Romans bei der tschechischen Literatur und in einer Rezension für die britische Tageszeitung The Guardian ist die Rede sogar davon, dass sich Kalfařs Erstling eher wie ein „grandios übersetzter tschechischer Roman“ lese. War das auch Ihr Eindruck? Hatten beim Übersetzen das Gefühl, eigentlich etwas Tschechisches und nicht Amerikanisches ins Deutsche zu übertragen?

Um die Frage beantworten zu können, kenne ich zu wenig tschechische Literatur, aber ein „amerikanisches Gefühl“ hatte ich überhaupt nicht (angenehmerweise).

Im Buch spielen Abschottung und Isolation – Themen, die uns allen spätestens seit dem Beginn der aktuellen Ausgangsbeschränkungen bekannt sein dürften – mitunter eine wichtige Rolle. Haben Sie an das Buch gedacht, als wir hier aufgefordert wurden, auf soziale Distanz gehen?

Nein, ich habe nicht an das Buch gedacht, aber jetzt, wo Sie's sagen ... 

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