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Übersetzerwelten | Übersetzte Welten: Daniela Pusch

Begleitend zur August-Ausgabe unseres Online-Lesekreises haben wir der Übersetzerin Daniela Pusch ein paar Fragen zu Alena Zemančíkovás „Příběh v řeči nepřímé“ gestellt. Den Roman über das Leben im Grenzgebiet zur Zeit der Normalisierung hat sie im vergangenen Jahr unter dem Titel „Geschichte in indirekter Rede“ ins Deutsche übertragen.

 

Wie kam es dazu, dass Sie dieses Buch übersetzt haben?

Das war ein recht langer Weg. 2013 habe ich im Rahmen des Übersetzerprojekts Transstar Europa zum ersten Mal einen Text von Alena Zemančíková gelesen. Es war die Erzählung „Lukava“ aus Ihrem wunderbaren Kurzprosaband „Bez otce“ (Ohne Vater). Schon in diesem Text steckt viel von „Geschichte in indirekter Rede“: die knappe Erzählweise, der melancholische Grundton, ein Teil der Thematik... Mich hat diese Literatur sehr angesprochen, und so habe ich begonnen, kürzere Texte von Alena Zemančíková zu übersetzen und die Autorin bei verschiedenen Gelegenheiten vorzustellen, immer in der Hoffnung, dass sich ein interessierter Verlag finden möge. Leider war die Reaktion zunächst ziemlich verhalten, den meisten waren die Texte zu „speziell“ (was immer das auch heißen mag). Inzwischen hatte ich Alena Zemančíková auch persönlich kennen gelernt, und zu einem Treffen hat sie mir ihren damals neu erschienenen Roman mitgebracht. Den musste ich zugegebenermaßen zweimal lesen, denn es war doch etwas anderes als ihre atmosphärisch dichte und im positiven Sinne auch geheimnisvolle Kurzprosa, der Roman erklärt mehr und geht mehr in die Breite, ist deshalb aber nicht weniger lesenswert. Auch hier brauchte es einige Anläufe, bis es mir schließlich gelungen ist, im Rahmen der Vorbereitungen zu Ahoj Leipzig!, also dem Gastlandauftritt der Leipziger Buchmesse 2019, den KLAK-Verlag für „Geschichte in indirekter Rede“ zu begeistern.

Was war für Sie die größte Herausforderung beim Übersetzen?

Die größte Herausforderung war es, im Deutschen den knappen Erzählstil wiederzugeben. Im Original wirkt alles so klar und mühelos, doch bei näherem Hinsehen ist es eine sehr präzise Sprache, jedes Wort hat seinen Platz, nichts ist zuviel, selbst wenn es manchmal so scheint. Das in der Übersetzung zu beherzigen und nicht „schwatzhaft“ zu werden, dazu musste ich mich immer wieder ermahnen (besonders, wenn man bedenkt, dass man bei Übersetzungen aus dem Tschechischen ins Deutsche auf den Originaltext ohnehin immer etwa ein Drittel drauf rechnen kann). Zum Beispiel durfte bei Realien, Zitaten oder Redewendungen, die es im Deutschen so nicht gibt, nicht mehr erklärt werden als nötig, aber auch nicht zu wenig, damit es verständlich ist. Und das beginnt schon beim eigenen Horizont. Ich bin Alena Zemančíková sehr dankbar, dass sie immer so geduldig und ausführlich auf meine Fragen geantwortet hat.

Der Roman hat einen starken autobiografischen Hintergrund. Auch wenn die Erzählerin eine fiktionalisierte Version der Autorin ist, war es für Sie wichtig, Alena Zemančíková persönlich kennenzulernen, um „ihre“ Stimme besser wiedergeben zu können?

Ganz sicher ja. Es hat mein Bild von der Ich-Erzählerin, die in ähnlicher Weise auch in anderen Texten von Alena Zemančíková vorkommt, abgerundet. Abgesehen davon ist es ja immer sehr interessant und aufschlussreich, den Menschen hinter den Texten zu erleben. In diesem Fall hat mir aber auch die Auseinandersetzung mit anderen Texten der Autorin und besonders deren Übersetzung geholfen, mich der Erzählstimme von „Geschichte in indirekter Rede“ anzunähern.

Sie sind selber in Karlovy Vary geboren. Hat Ihnen die familiäre Verbindung zum Grenzgebiet beim Übersetzen irgendwie geholfen?

Nein. Denn außer der Tatsache, dass Karlovy Vary, also Karlsbad, meine Geburtsstadt ist, habe ich leider nicht viel mit dieser Stadt und der Region zu tun. Die Familie meiner Mutter stammt aus Südböhmen, hier kenne ich mich wesentlich besser aus. Zwar gibt es auch ein südböhmisch-bayerisches Grenzgebiet, aber das ist nur bedingt vergleichbar. Allerdings sind im Roman gerade die Beschreibungen der Natur im Grenzgebiet so eindrücklich, gewissermaßen suggestiv, dass man alles sehr deutlich vor Augen hat. Gleichzeitig sind diese Passagen voller Poesie und Leichtigkeit, es sind eigentlich mit Worten gemalte Landschaften – wunderschön! Diese Stellen habe ich besonders gerne übersetzt.

Sie waren 2014 deutsche Preisträgerin beim Susanne Roth-Übersetzerwettbewerb. Was hat Ihnen dieser Erfolg gebracht?

Es war vor allem eine gute Erfahrung. Wertvoll zunächst für das eigene Selbstbewusstsein, und dann war es natürlich auch ein Türöffner. Ich habe dadurch zu verschiedenen Anlässen Leute kennen gelernt, deren Geschäft die Literatur- und Kulturvermittlung auf verschiedenen Ebenen ist. So konnte ich einen Einblick in diesen Bereich erhalten, was mitunter auch ernüchternd war. Aber die Begegnungen mit Leuten, die sich für Literatur und das Übersetzen ähnlich begeistern wie ich, das sind besonders bereichernde Momente, die ich unter anderem eben auch dem Erfolg beim Übersetzerwettbewerb verdanke.

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