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Im Gespräch mit Nadia Sheshukova

Begleitend zum heutigen Instagram-Takover haben wir ein kurzes Gespräch mit der Leiterin des Prager Festivals für Illustrationskunst LUSTR geführt. Im Interview spricht sie über die diesjährige Festivalausgabe und erklärt, worauf sich die Besucher*innen der neuen Ausstellung LUSTR on tour freuen können.

LUSTR ist die größte Schau der zeitgenössischen Illustration und das größte Illustratorentreffen der Tschechischen Republik. Das Festival entstand 2014 und findet dieses Jahr bereits zum siebten Mal statt. Wie hat sich das Festival in den vergangenen Jahren verändert?

Das Festival hat sich im Laufe der Jahre langsam verändert, heuer  kam es aber zu den größten Veränderungen. Wir haben uns für eine größere kuratierte Ausstellung entschieden, bei der wir Gruppen von Illustratoren aus Tschechien  und dem Ausland vorstellen. Dazu hat uns vor allem das diesjährige 100. Jubiläum der Künstlerbewegung Devětsil bewogen. Wir haben beschlossen, eine recht bunte Auswahl an tschechischen und ausländischen Gruppen zu präsentieren, die ein breites Spektrum an Stellungnahmen und Einstellungen zur Arbeit repräsentieren können. In unserer Auswahl finden sich sowohl kommerziell ausgerichtete Verbände, als auch eingefleischte Experimentatoren, Treibkräfte der alternativen Kultur und rein subkulturelle Angelegenheiten nebeneinander.

Das Illustrationsschaffen der Devětsil-Mitglieder wollten wir im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Illustration vorstellen, bei der wir ein gewisses Aufgreifen dieser  Tradition spüren. Das damalige Schaffen von Toyen, Otakar Mrkvička, Josef Šíma und Adolf Hoffmeister ergänzen wir deshalb um eine Serie von Siebdruckplakaten mit dem Titel Pocta Devětsilu („Zur Ehrung der Devětsil-Gruppe“), an der sich zeitgenössische junge tschechischen Illustratoren beteiligt haben. Einige von ihnen haben sich für ihr Plakat eine konkrete Persönlichkeit ausgewählt, andere haben mit ihrem Plakat die ganze Gruppe und deren Esprit verehrt. Wir hoffen, dass es uns gelingt ein wenig zu aufzuzeichnen, wie groß die Bedeutung der zeichnerischen Seite des Schaffens der Devětsil-Mitglieder für die zeitgenössische tschechische Illustration ist.

Wie hat sich die aktuelle Situation in der diesjährigen Festivalausgabe widergespiegelt? Widmen sich einige Illustrator*innen diesem Thema in ihren Werken?

Wenn Sie die gegenwärtige Situation um COVID-19 meinen, hat sich diese auf dem Festival oder im Schaffen der Illustratoren noch nicht gezeigt. Wir müssen gesundheitliche Maßnahmen einhalten und ließen uns eigene Masken aufgedruckt mit dem sehr gelungenen diesjährigen Festivaldesignvon Filip Tatýrek und Vojta Kočí herstellen. Die Situation ändert sich aber jeden Tag und wir hoffen, dass sie das Festival nicht bedroht.

Bei den früheren Ausgaben hatte das Festival ein vorgeschriebenes gemeinsames Thema (die Stadt, deren Helden und die künstliche Intelligenz im Jahre 2018, Freiheit im vergangenen Jahr). Wie sieht es dieses Jahr aus?

Dieses Jahr streifen wir thematisch die Gruppe Devětsil, deren Mitglieder und überhaupt die Einteilung von Illustratoren in Arbeitsgruppen, Studios und Ateliers im Allgemeinen. Für die freie Schau haben wir kein Thema festgelegt.

Dieses Jahr konnten sich im Rahmen der offenen Ausschreibung nur solche Autor*innen bewerben, deren Werke noch auf dem Festival zu sehen waren.  Darüber haben Sie schon vor zwei Jahren in einem Interview für Český rozhlas Vltava gesprochen, allerdings hatten Sie damals diese Möglichkeit abgelehnt, und zwar mit der Begründung, dass die Fachjury auch neue Werke der bereits etablierten Illustrator*nnen sehen wolle, die schon auf dem Festival ausgestellt haben. Was führte Sie zu dieser jetzigen Beschränkung?

Für diese Beschränkung haben wir uns vor allem entschieden, um den Illustratoren eine Chance und auch Hoffnung zu geben, die sich sonst nicht trauen würden, sich für das Festival bewerben, weil sie denken, dass sie nicht so gut sind wie die Fixsterne der tschechischen jungen Illustration, die angefangen hatten,  jedes Jahr in der fast gleichen Zusammensetzung auf dem Festival zu erscheinen. Sowohl bei der Illustration als auch bei den Comics sind wir neugierig auf neue Gesichter.

LUSTR on tour war schon in Berlin, Jerusalem, Moskau und Brüssel zu sehen. Jetzt wird es in München vorgestellt. Nach welchen Kriterien haben Sie die Werke für diese Ausstellung ausgewählt?

Mit der Wanderausstellung LUSTR on tour wollen wir vor allem die junge tschechische Illustrationszene im Ausland präsentieren. Die ausstellenden Künstler haben wir also aus denjenigen ausgewählt, die in Tschechien bereits bekannt sind, aber im Ausland noch nicht. Für die Ausstellung in München haben wir Veronika Vlková und Jan Šrámek und ihren Illustrationen zum Buch To je metro, čeče! („Das ist die U-Bahn, Mensch!“), Martin Lacko mit seinen großformatigen und auf Stoff gedruckten Illustrationen zu mythologischen Geschichten sowie Tomski&Polanski und Anastasia Stročkova gewählt. Die Ausstellung ergänzen wir um eine Serie von Siebdruckplakaten aus dem diesjährigen Festival LUSTR, wo junge Illustratoren wie Barbora Idesová, Nikola Logosová, Maria Makeeva und andere auf die tschechische Avantgarde-Gruppe Devětsil und deren 100 Jahre altes Schaffen reagieren.