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Übersetzerwelten | Übersetzte Welten: Sophia Marzolff

Begleitend zur Juni-Ausgabe unseres neuen Online-Lesekreises haben wir der Übersetzerin Sophia Marzolff ein paar Fragen zu Markéta Pilátovás „Hrdina od Madridu“ gestellt. Den Kurzroman über die Beteiligung tschechischer Freiwilliger am Spanischen Bürgerkrieg hat sie im vergangenen Jahr unter dem Titel „Der Held aus Madrid“ ins Deutsche übertragen.

 

Wie kam es dazu, dass Sie dieses Buch übersetzt haben?

Das Buch steht ja in einer Reihe mit neun anderen Prosabänden tschechischer Autoren, die anlässlich des Tschechien-Schwerpunkts auf der Leipziger Buchmesse 2019 unter dem Titel „Tschechische Auslese“ präsentiert wurden. Lanciert wurde diese Edition von dem Brünner Verlag Větrné mlýny (der auch Literaturevents organisiert), in Kooperation mit dem österreichischen Wieser Verlag. Von Větrné mlýny wurde ich auch für die Übersetzung angefragt. (Was mich besonders freute, weil ich schon Bücher von Markéta Pilátová gelesen und sie auf einer Lesereise auch persönlich kennengelernt hatte.)

Wussten Sie schon etwas von den Interbrigaden oder war das geschichtliches Neuland für Sie?

Ich wusste von den Internationalen Brigaden, aber ehrlich gesagt war es ein nur oberflächliches Wissen. Ich hatte immer im Kopf, dass dort auch Franzosen und andere Europäer gekämpft hatten, aber dass sich dort so viele Länder, auch aus den slawischen Regionen, beteiligt hatten, war mir nicht wirklich bewusst – und ebenso wenig, was für absurde Implikationen das in der Folge unter einem kommunistischen Regime bedeuten konnte. Insofern habe ich das selbst mit Spannung gelesen, wie ich es überhaupt immer schön finde, durchs Übersetzen etwas Neues zu lernen.

Carmen hat einen sehr spezifischen Grund, warum sie anfängt, Tschechisch zu lernen; was war bei Ihnen die Hauptmotivation?

Meine Motivation war ziemlich unbedarft: Ich war immer schon an Sprachen interessiert, und da ich meine anderen Studiensprachen schon aus der Schule kannte, hatte ich Lust, noch etwas „Exotischeres“ dazuzulernen. Eine Schulstudienfahrt nach Prag kurz vor der Samtenen Revolution und die Lektüre tschechischer Autoren hatten mich neugierig gemacht. Und mit dem Fall der Mauer gewann man als ‚Wessi‘ ja quasi ganz neue Nachbarn... Erst nach und nach wurde mir bewusst, wie eng wir doch innerlich längst verbunden sind.

Sie übersetzen nicht nur aus dem Tschechischen, sondern auch aus dem Französischen und Italienischen. Passt eine der Sprachen besser zur deutschen Ausdrucksweise als die anderen? Wo gibt es die meisten idiomatischen Überschneidungen?

Als deutsche(n) Muttersprachler(in) mag einen das erstaunen, aber tatsächlich ist das Tschechische dem Deutschen viel näher als eine romanische Sprache. Der Wortschatz und die etymologischen Wurzeln sind einem zwar erst einmal völlig fremd – und hier muss man beim Lernen buchstäblich bei Null beginnen –, aber der Satzbau, wie überhaupt das Denken der Sprache sind sehr ähnlich wie im Deutschen. Redewendungen und Sprachbilder lassen sich oft 1:1 übersetzen, was etwa mit dem Französischen gar nicht geht, wo man oft völlig andere Formulierungen und Bilder verwendet. Hier spürt man die jahrhundertelange gemeinsame Geschichte von Tschechen und Deutschen (bzw. Österreichern).

Ist es für Sie als Übersetzerin einfacher, wenn Sie Ihre AutorInnen persönlich gut kennen, oder behalten Sie lieber eine gewisse professionelle Distanz?

Erst einmal ist es sicher gut, sich einem Text ganz unbefangen und allein zu nähern, sich einen Eindruck zu verschaffen, ob der Text einem  – ganz unabhängig vom Autor oder der Autorin – etwas sagt. Wenn das so ist, dann ist es zusätzlich ein Glücksfall, wenn man sich über einzelne Begriffe oder Textstellen mit dem Autor/der Autorin austauschen kann, wie das bei Markéta Pilátová der Fall ist, die da wunderbar kooperativ ist.

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