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Programm

21.09.2010 00:00 - 02.11.2010 00:00

Ausstellung: Český Krumlov duch das Objektiv der modernen Geschichte

Fotoausstellung der bedeutenden Krummauer Fotografen Josef und Franz Seidel.

 

Česky Krumlov (Krummau) – „die Perle Südböhmens“ und weltbekanntes Denkmal der UNESCO – ist nicht nur eine Stadt stattlicher Renaissance- und Barockarchitektur. Eine Reihe interessanter Ereignisse spielte sich hier im 19. und 20. Jahrhundert ab. Die Ausstellung bietet einen ungewöhnlichen Blick auf die bekannte Stadt und das Werk ihrer bedeutendsten Fotografen – Franz und Josef Seidel. Ihr fotografisches Schaffen zeigt die Noblesse der verschwundenen Zeiten, die im Gegensatz zum Antlitz der Stadt auf den Fotografien aus der Zeit des Kommunismus steht, als die Stadt im Staub unterging und leise unter dem Mantel des Vergessens verfiel…

 

LEBENSLAUF VON JOSEF UND FRANZ SEIDEL

Josef Seidel wurde am 2. Oktober 1859 in der Familie eines Glasschleifers in der Gemeinde Hasel bei Děčín / Tetschen geboren. Das fotografische Handwerk erlernte er auf Reisen durch Siebenbürgen, Ungarn, Böhmen und Österreich. Im Jahr 1886 erfuhr Josef Seidel bei seinem Aufenthalt in Prachatice / Prachatitz vom tragischen Tod des Gründers der fotografischen Tradition in Český Krumlov / Krummau Gotthard Zimmer. Die Witwe Zimmer suchte für das verwaiste Atelier nach einem neuen Gewerbehalter, und in Josef Seidel fand sie einen tüchtigen Fotografen und bald auch Atelierleiter. Nach zwei Jahren übernahm er dann das Atelier im Garten des Hauses in der Linzer Straße, und bald erlangte er beträchtlichen Erfolg und großes Ansehen. Neben den Porträtfotos, denen sich die meisten Fotografen widmeten, konzentrierte er sich auf Landschaftsaufnahmen. Er war vor allem von der Schönheit des Böhmerwaldes in allen Jahreszeiten fasziniert.

Im Jahr 1905 wurde an der Stelle des ursprünglichen Holzateliers, das die Ansprüche an die modernen Technologien nicht mehr erfüllte, ein neues Haus mit einem verglasten Atelier gebaut. Diese Gestalt blieb bis heute erhalten. Das Gebäude war auch als Hochzeitsgeschenk für Maria Brod zu verstehen, die Josef Seidel erst im späten Alter heiratete. Josef war ein sehr tüchtiger Fotograf sowie Kaufmann, aber als angesehene Person nahm er auch wesentlich am gesellschaftlichen und politischen Geschehen der Region teil. Sein Tod am 21. Oktober 1935 kam für seine Umgebung sehr plötzlich.

Sein Sohn Franz folgte dann den Spuren seines Vaters. Mit 27 Jahren übernahm er nach dem Tod Josef Seidels eine etablierte solide Firma, die in dieser Zeit 11 Angestellte und drei Abteilungen hatte: die Porträt-, Ansichtskarten- und Amateurabteilung. Im Unterschied zu seinem Vater hatte Franz jedoch nicht die Möglichkeit, sein Talent ausreichend zu entfalten. In der Kriegszeit wurde er zuerst von der Gestapo gefangen gehalten und wurde danach gezwungen, in einer Technikreparatur zu arbeiten. Nach dem Krieg, nach komplizierten Wendungen und Rückschlägen, erwarben er und seine Mutter die tschechische Staatsbürgerschaft, aber sein Bruder und seine Verlobte wurden als böhmische Deutsche nach Deutschland ausgesiedelt. Es folgte die Zeit der kommunistischen Verfolgung. Im Jahr 1949 wurden Franz Seidels Negative für Ansichtskarten vom damaligen Ministerium für Informationen und Aufklärung beschlagnahmt und einige von ihnen dann in den 50er Jahren vom Staatsverlag Orbis herausgegeben.

Franz leitete den Betrieb noch bis ins Jahr 1953 , bis er gezwungen wurde, sich der Verwaltung des örtlichen Kommunalbetriebs zu unterstellen. Seit er das Familienatelier schließen musste, rührte er es bis zu seinem Tode nicht mehr an und nutzte die Fotokammer nur noch für Privatzwecke. Er heiratete erst im Jahr 1959, als seine Verlobte nach Böhmen zurückkehren durfte. Ihr Treffen kam jedoch zu spät, um noch Kinder haben zu können. Franz Seidel starb am 7. Januar 1997.

Anhand der Schicksalsschläge sowie des Werkes von Josef und Franz Seidel lässt sich gut nachvollziehen, wie  dramatisch das 20. Jahrhundert war, einschließlich der komplizierten Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen. Das Problem der nationalen Streitigkeiten steht im scharfen Kontrast zu der Tatsache, dass die beiden Fotografen die böhmischen Länder für ihre Heimat hielten, und das natürliche Zusammenleben der tschechisch- und deutschsprachigen Bewohner für sie eine Selbstverständlichkeit war.

 

Veranstaltungsort:

Prinzregentenstr. 7
805 38 München
Deutschland

Datum:

Von: 21.09.2010 00:00
Bis: 02.11.2010 00:00

Veranstalter:

České centrum


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