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Programm

07.04.2016 19:00

Braunau in Böhmen und Franz Schmelz

Der tschechische Maler und Videoartkünstler Mark Ther berichtet in seinem Vortrag und der anschließenden Diskussion über seine persönliche Beziehung zu den Deutschböhmen, ihrer Kultur und Geschichte, sowie über die Bedeutung für seine eigene Biografie. Gezeigt wird auch sein Kurzfilm „Pflaumen“, der die Vertreibung thematisiert.

Im Rahmen der Reihe „Mein Weg zu unseren Deutschen“.

Der Titel der neuen Veranstaltungsreihe des Kulturreferenten für die böhmischen Länder und des Tschechischen Zentrums München ist einem gleichnamigen Vortrag des Karlsbader Archivars Milan Augustin entnommen, den dieser im Jahr 2004 für den Adalbert Stifter Verein in München hielt. Im Tschechischen sind mit dem Begriff „Unsere Deutschen“ (Naši Němci) die Deutschen aus den böhmischen Ländern bzw. die Sudetendeutschen gemeint. Tschechische Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle sollen ihren persönlichen Blick, ihre Inspirationen und Erfahrungen thematisieren, welche sie vor allem mit den böhmischen Deutschen, aber auch mit den Deutschen generell verbinden.

Mark Ther , 1979 in Prag geboren, studierte an der Akademie der bildenden Künste in Prag. Er gilt als einer der bekanntesten, jungen bildenden Künstler Tschechiens, vor allem im Bereich Videoart. Ursprünglich im Studium auf die Malerei fokussiert, begann er im Jahr 1998 mit Videos zu experimentieren. Sein Frühwerk beschäftigt sich mit Pop-Ikonen wie etwa Madonna oder Andy Warhol. Eine wichtige Inspiration für ihn war auch die populäre Opernsängerin Maria Callas. Einige seiner Videos thematisieren offen die Homosexualität, wie etwa Hanes (2007) oder I will get you out an chop you in the Midair (2007).

Für sein in Tschechien durchaus auch kontrovers diskutiertes Video Das wandernde Sternlein (es thematisiert den sexuellen Missbrauch eines Jungen) erhielt er 2011 den Jindřich-Chalupecký-Preis, die wichtigste tschechische Auszeichnung für junge Künstler bis 35 Jahre. Die Zwangsaussiedlung einer Mutter und ihres Sohnes im Jahr 1946 ist Hintergrund seines Kurzfilms Pflaumen (2011). Der Junge weigert sich, sein Geburtshaus zu verlassen. Um der Abschiebung zu entgehen, flieht er in den Wald, wo ihn die Mutter verzweifelt versucht, zu finden. Viele der Werke von Mark Ther sind in verschiedenen deutschböhmischen Dialekten gedreht. Die Videos werden auch im Kontext von Videoart-Ausstellungen in Kunstgalerien sowie auf internationalen Filmfestivals präsentiert.

Charakteristisch für seine Videos sind Interpretationen von gesellschaftlichen oder historischen Tabus, wozu die Gender-Problematik oder Homosexualität genauso gehören wie etwa der Umgang mit dem Thema der Vertreibung der Sudetendeutschen in Tschechien. Dabei verarbeitet Mark Ther sowohl fiktive als auch historisch belegte und in enger Beziehung zum Sudetenland stehende Geschichten. Er verknüpft Themen wie „Heimat“ und “Vertreibung“ mit geheimnisvollen Erzählungen und der Untersuchung sexueller Identität.

Mark Ther betätigt sich auch als Maler: Von Februar bis April 2016 zeigt eine Ausstellung seine Siebdrucke in Wien, wo er 2015 als Stipendiat im Rahmen von Artists in residence einen dreimonatigen Aufenthalt absolvierte. Die Zeichnungen zeigen zu einem großen Teil grobe Umrisse der Landschaft im Braunauer Ländchen.

Die Wurzeln von Mark Thers Familie liegen im Braunauer Ländchen. Ein Teil wurde nach 1945 vertrieben, ein Teil durfte bleiben. Seine deutschsprachigen Großeltern siedelten 1968 während des Prager Frühlings nach Bayern über. Auf die Frage nach seinem Lieblingsort in Deutschland antwortete Mark Ther in einem Interview einmal: „München, Waldkraiburg, der Friedhof in Waldkraiburg und Berlin.“

Veranstalter:

Kulturrreferent für die böhmischen Länder beim Adalbert Stifter Verein, Tschechisches Zentrum

 

 

© Lukáš Erba

Veranstaltungsort:

Sudetendeutsches Haus, Hochstraße 8, 81669 München

Datum:

07.04.2016 19:00

Veranstalter:

Das Tschechische Zentrum ist Mitveranstalter


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