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Programm

24.07.2014 20:00

Böhmischer Salon VIII: Walter Serner

Walter Serner (1889-1942), ein Essayist, Schriftsteller und Dadaist, stammte aus Karlsbad und trat nicht nur als Autor von Romanen (Die Tigerin), Bühnenstücken (Posada oder große Coup im Hotel Ritz) und Erzählungen (Der Pfiff um die Ecke) hervor, sondern ist auch Verfasser eines bereits 1918 entstandenen dadaistischen Manifests "Letzte Lockerung", das als einer der wichtigsten Dada-Texte gilt.

Serner wurde 1889 in Karlsbad in einer deutschsprachigen jüdischen Familie geboren. Als er 23 war, zog er nach Berlin und absolvierte später sein Jurastudium in Greifswald. 1914 siedelte er nach Zürich, in die neutrale Schweiz um, wo er vereinzelt Kontakt zu Dadaisten aufbaute. Er pendelte zwischen Italien, Paris, Genf und Zürich, schrieb Geschichten und einen Roman und verfasste 1918 das dadaistische Manifest Letzte Lockerung manifest dada. Als er dies 1919 auf einer Dada-Soiree in Zürich vortrug, kam es zu einem Aufruhr im Publikum und er wurde von der Bühne gejagt. Mit seinen dadaistischen Gesinnungsgenossen reiste er durch Europa, unaufhörlich zog er durch Deutschland, die Tschechoslowakei, Österreich, die Schweiz, Italien und Frankreich. Später fuhr er immer öfter in Karlsbad und Prag, wo er sich nach seiner Hochzeit mit der Berlinerin Dorothea Herz (1938) niederließ. Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus begann er Deutschland zu meiden, seine Werke wurden von Literaturkritikern und Verlegern verurteilt, erste antisemitische Angriffe tauchten auf. Nachdem Hitler an die Macht kam, wurden Serners Werke auf die „Liste 1 des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt und von den Zensoren als Schund- und Schmutzschriften konfisziert und verbrannt.

Nach mehreren vergeblichen Versuchen, von Prag nach Shang Hai auszuwandern, wurde Serner im August 1942 in das "Ghetto" Theresienstadt gebracht und wenige Tage später nach Riga deportiert, wo er ermordet wurde.

Er schrieb in einem seiner letzten erhaltenen Texte:

„Dichtung ist und bleibt ein, wenn auch höherer, Schwindel. Ich lege Wert darauf, das zum ersten Mal ausgesprochen zu haben. Menschen gestalten, heißt: sie fälschen.“

Ein Abend mit dem Literaturwissenschaftler und Serner-Forscher Andreas Puff-Trojan (München), dem Archivar Milan Augustin (Karlsbad/Karlovy Vary), dem Schauspieler Burchard Dabinnus (München) sowie der Jazzformation "Michael Lutzeier und Partner".

 

Moderation: Peter Becher

Eintritt: 8,00 €, Mitglieder 5,00 €

Einladung

Veranstalter:
Adalbert-Stifter-Verein, Tschechisches Zentrum München, Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien

Veranstaltungsort:

Kulturforum im Sudetendeutschen Haus, Hochstr. 8, München

Datum:

24.07.2014 20:00

Veranstalter:

Das Tschechische Zentrum ist Mitveranstalter


Veranstaltungserinnerung
Eine Erinnerung ist nicht möglich, da die Veranstaltung bereits begonnen hat.