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"Westend–Holešovice–Kwachon"

24.06.2015 - Von 19.06.2015 - 31.01.2016 findet die Ausstellung "Westend–Holešovice–Kwachon" von Nina Kalt, Patrik Hábl und Jinyoung Lee in München statt.

Blickwechsel

Zur neuen Projektphase von „Holešovice – Westend – Kwachon“

Für die dritte Stufe des Langzeitprojekts Holešovice – Westend – Kwachon“ erweitert sich die Zahl der Beteiligten auf ein Quartett. Bei dieser hier zu beschreibenden Konstellation herrscht Geschlechterparität: den zwei Malerinnen aus Korea und Deutschland stehen ein Maler und ein Lyriker aus Tschechien zur Seite. Das im Bildmedium zu verfolgende Gespräch befasst sich mit dem Blickwinkel der Malerei auf das, was wir Wirklichkeit nennen. Posthum nimmt der Lyriker Miroslav Holub (1923-1998) mit Gedichten, in denen sich die poetische mit der wissenschaftlichen Sichtweise auf die Dinge durchdringt, an dem malerisch-literarischen Quartett teil. Lyrik und Malerei teilen den Vorrang eines gestischen Verstehens vor den semantischen Bedeutungen.

In der zweiten Projektphase verständigten sich Nina Kalt und Jinyoung Lee darauf, im Sommer 2014 gemeinsame Bilder in Nina Kalts Atelier im Münchner Westend zu malen. Sie experimentierten dabei mit europäischen Farbpigmenten und Japan-Pigmenten, die Jinyoung Lee mitgebracht hatte. Die Ergebnisse dieses transkontinentalen Workshops veränderten die Malweise und die Farbauffassung der beiden Künstlerinnen. In der jetzigen Ausstellung zeigen die Malerinnen Bilder, die nach diesem Gemeinschaftserlebnis, wieder getrennt voneinander, in München und Kwachon entstanden sind. An die Seite der Gemälde von Jinyoung Lee und Nina Kalt treten in der Ausstellung neue Arbeiten von Patrík Habl, in denen er auf seine Weise die Farbintensität steigert und neue Herstellungsverfahren ausprobiert.

In Nina Kalts Malerei hat sich unter dem Eindruck des gemeinsamen Malens mit Jinyoung Lee das grafisch-geometrische Moment zugunsten eines stärker gestischen Malens aufgelockert. Runde, kreisende Formelemente haben Einzug in ihre Bilder gehalten. Ihre Palette hat sich merklich aufgehellt. Sie greift zu kühnen Kontrasten aus Hellblau und Gelb oder Orange. Jinyoung Lee hat in ihren neuen Bildern fast komplementär auf die Münchner Erfahrungen aus dem Sommer 2014 reagiert. Ihr ist der Durchbruch zu größeren Binnenformen gelungen, die ihren zeichenhaft-symbolischen Charakter verloren haben. Sie bedient sich volltönigerer Farben, die ihren Bildern eine andere Entschlossenheit und Kraft verleihen. Das Spielerische hat sie im Gegenzug etwas zurückgenommen. Sie bevorzugt jetzt den ebenso kraftvollen wie effektsicheren Auftritt. Patrík Habl wendet das ihm so vertraute Verfahren der Monotypie auf Leinwandarbeiten an. Formal kommt es bei ihm zu einer Wiederbelebung angedeuteter Figuralität. Er spielt mit dem Sakralen. Schemenhaft sind ein Madonnengesicht oder die Konturen eines Engels zu sehen. Die sich vertikal aufbauenden Bilder variieren das aus der vorherigen Projektstufe bekannte Leitthema der Bergwelt.

Vor allem hervorgerufen durch das Gedicht „Unterm Mikroskop“ von Miroslav Holub steht diese dritte Projektphase unter dem Leitthema des Blick- und Perspektivenwechsels. Der Wechsel zwischen mikroskopischem und makroskopischem Sehen prägt wissenschaftliches wie künstlerisches Arbeiten. Das Sehen an sich ist bereits ein schöpferischer Akt. Ohne die Arbeit der Einbildungskraft bliebe es blind. Zudem eint Bildkünstler und Wissenschaftler die Vorliebe für Genauigkeit beim Sehen. Zwei der beteiligten Kunstschaffenden haben neben ihrem künstlerischen Werdegang auch eine naturwissenschaftliche Ausbildung durchlaufen. Miroslav Holub wirkte als Immunologe, Nina Kalt hat Mathematik und Chemie studiert. Ein historisches Moment des Blickwechsels bringt im Übrigen Franz Schiermeiers im Herbst 2014 erschienener Westend-Führer in das Projekt ein. Er erinnert daran, dass bis zum Brand im Oktober 1915, also vor 100 Jahren, das Westend Standort eines großen, viele Zuschauer anziehenden Panoramas gewesen ist.

Mehr unter: http://www.galerie-kalt.de/ausstellung.html#2015/2016

Die Bilder von der Ausstellung finden Sie in der beigefügten Datei: