Im Gespräch mit Nikolas Tušl

  • 23. 02. 2021
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Begleitend zum heutigen Instagram-Takeover im Rahmen des Projektes Czech Artists Worldwide haben wir ein kurzes Interview mit dem in München lebenden tschechischen Fotografen Nikolas Tušl geführt.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Ich kam zur Fotografie über das Skateboarden. Anfangs war ich viel mehr daran interessiert, Videos aufzunehmen und zu bearbeiten, aber im Laufe der Zeit entdeckte ich die Magie statischer Bilder und begann, mit einer alten Praktica meines Opas, der selbst wunderschöne Landschaften und die Wildnis des Böhmerwaldes fotografiert hatte, Bilder zu machen. Ich war 19 Jahre alt. Zu dieser Zeit stand für mich das Skateboarden an erster Stelle, wodurch ich reisen und neue Orte entdecken konnte. Ich denke, dass es dort irgendwie anfing umzuschwenken, mich dort die Fotografie wirklich gepackt hat und ich mich entschied, das zu studieren.

Gibt es einen Fotografen, der Sie beeinflusst hat?

Immer, wenn mir diese Frage gestellt wird, bin ich mir nicht sicher, wie ich sie beantworten soll. Ich versuche meinen eigenen Weg zu gehen und ich hatte noch nie ein Idol, das mich grundsätzlich beeinflussen würde. Aber ich mag klassische Fotografien von Josef Sudek, besonders seine Panoramaserien. Es klingt ein bisschen klischeehaft, aber seine Fotos haben eine Seele. Außerdem kann ich das kurze Dokumentarfilmporträt „Žít svůj život“ von Evald Schorm und dem Kameramann Jan Špáta sehr empfehlen, das Sudek wunderschön darstellt. Seine Einstellung zur Fotografie hat mich also am Anfang wahrscheinlich am meisten beeinflusst.

Unterscheiden sich Ihre Herangehensweisen an die Werbe- und die Kunstfotografie grundlegend voneinander?

Auf jeden Fall. Werbefotografie ist ein Prozess, hinter dem viele Menschen stehen, und manchmal ist es leider „nur“ meine Aufgabe, die Idee eines anderen (eines Kunden) zu erfassen, und meine Handschrift ist dann nur sehr klein. Andererseits muss ich sagen, dass sich die Dinge zum Besseren ändern. Gerade hier in Deutschland sind Kunden und Produzenten viel offener für Diskussionen und geben mir oft viel Raum. Es ist interessant, auf der Ebene der Reklame zu arbeiten, bei der es den Kunden darum geht, etwas Außergewöhnliches zu schaffen.

Welche Werbung halten Sieaus künstlerischer Sicht für besonders gelungen?

Wenn Sie mich nach einer Werbung fragen, an der ich gearbeitet habe, dann meine letzte für Jägermeister. Es ist ein bisschen lustig, weil ich kein sehr großer Fan bin, aber was wir geschaffen haben, sieht optisch wirklich lecker aus… (lacht)

Denken Sie, dass jeder Fotograf als Kameramann arbeiten könnte, oder braucht man dafür besondere Fähigkeiten?

Ich würde eher nein sagen. Ein Filmkameramann zu sein, ist komplex und erfordert Teamwork, was bei der konventionellen Fotografie nicht der Fall ist. Andererseits denke ich, dass es viele Kameraleute gibt, die nicht in der Lage wären, die Arbeit eines Fotografen zu erledigen. Aber natürlich ist es völlig individuell und im digitalen Zeitalter ist heute alles einfacher, als in der Zeit, wo nur auf Filmmaterial fotografiert und gedreht wurde.

Was sind für Sie die größten Unterschiede zwischen der Münchner und der Prager Kunstszene?

Ich sehe den größten Unterschied darin, wie sich hier in München alle gegenseitig unterstützen. Niemand sieht dich mit scheelen Augen an. Ich möchte aber auch kein zu negatives Bild von Prag vermitteln. In meinem Falle ist das genannte auch dort nicht so oft passiert, aber ich habe es eben erlebt. Niemals allerdings in München. Ansonsten ist es aber ziemlich gleich, es ist immer am besten, Dinge in einer Kneipe bei einem Bier zu bereden, und das gilt für beide Städte.

Mehr zum Projekt

Czech Artists Worldwide: Nikolas Tušl

Di 23. 02. 2021
  • Fotografie

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